Europäischer Gerichtshof entscheidet: Auch Tiere haben ein Recht auf Privatsphäre im Internet

Haustiere sind die Stars im Netz. Sie fallen ins Aquarium, jagen den Staubsauger und erschrecken sich vor ihrem eigenen Spiegelbild - putzige Katzenvideos beispielsweise sind der absolute Renner bei YouTube und co. Doch damit ist ab heute Schluss: Der europäische Gerichtshof hat in einem Grundsatzurteil entschieden, dass auch Tiere künftig ein Recht auf Privatsphäre im Internet haben. Die Tierschutzorganisation "Angry Birds" hatte ursprünglich geklagt.

YouTube und Facebook haben bereits auf die Entscheidung des Gerichtshofes reagiert und seit dem Vormittag geschätzte rund 13 Millionen Videos und Fotos von Haustieren gesperrt oder gelöscht. Der entsprechende Paragraph zum "Schutz der Privatsphäre von Haustieren" wurde bereits in die jeweiligen Nutzungsbedingungen hinzugefügt.

Die User müssen ebenfalls schnell reagieren und sollten ihre Fotos schnell sichern und archivieren, bevor sie von anderer Stelle unwiederbringlich aus dem Netz gelöscht werden. Das Gericht räumte den Plattformen und allen Internetnutzern eine 24-Stunden First ein, in der die Haustier-Inhalte entfernt werden können.

Gerüchten zufolge plant Facebook bereits eine Ausweichmöglichkeit für alle Haustierfreunde: Ein eigenes Profil für ihre Lieblinge würde die neue Regelung des europäischen Gerichtshofes umgehen und den Nutzern weiterhin die Möglichkeit offen lassen, lustige Fotos und Videos von ihren Tieren ins Netz zu stellen.

Nach Einschätzung von Michael Praetorius, Online-Publizist und Blogger der Münchner Social Media Talkshow Isarrunde, ist dieses Gerücht nicht neu und deutlich mehr als eine Spinnerei: "Facebook arbeitet schon seit längerem an einem extra Facebook-Account für Haustiere. Nur so können Haustierbesitzer die Privatsphäre der Tiere wahren oder beispielsweise auch Freundeslisten für ihren Hund oder ihre Katze verwalten."

Christoph Elzer, Redakteur der Computer-Website chip.de und ebenfalls einer der Blogger der Münchner Isarrunde, empfiehlt den Usern die Frist zu nutzen und ihre Katzenvideos bei YouTube selbst zu entfernen und vorher zu archivieren, wenn nötig auch mit entsprechenden Hilfsprogrammen. Chip.de bietet für alle Katzen- und Hundefreunde eine Schritt-für-Schritt Anleitung, wie YouTube Videos schnell, kostenlos und unkompliziert dazu heruntergeladen werden können. (http://www.chip.de/bildergalerie/Der-Video-DownloadHelper-Schritt-fuer-Schritt-erklaert-Galerie_36484739.html).

Die Frist endet am 1. April um 24.00 Uhr. Nutzern, die die Aufforderung und die geänderten Nutzungsbedingungen wissentlich oder unwissentlich ignorieren, droht sogar die Sperrung ihres Accounts. Darüber hinaus warnte Elzer vor dem Online-Dienst Twitter: denn auch das Weiterleiten, das sogenannte re-tweeten von Katzenfotos sei mit der heutigen Gerichtsentscheidung künftig verboten. Ebenso verstoße auch das Kommentieren, „liken“ und teilen von Tierfotos bei Facebook gegen das Gesetz.

Dr. Benedikt Köhler, Dozent der Social Media Akademie Mannheim und selbst Katzenbesitzer, ist zwiegespalten: "Aus privater Sicht begrüße ich die Entscheidung. Ich mag es schließlich auch nicht, wenn Bilder meiner Katze im Web einfach so verbreitet werden.“ Aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten bedeute die Entscheidung des EU-GH aber ein Desaster.
Dies weiss auch Michael Reuter zu berichten. Unternehmer und Isarrunden-Talker Reuter schätzt, dass mit den Verbot des "User Generated Animal Content" etwa 20-25 Prozent des gesamten nutzergenerierten Inhalts des Internet wegfällt. Allerdings, gibt er sich dennoch optimistisch, könnten qualitativ hochwertige Inhalte nach Freigabe durch die Rechteinhaber in Bezahlbereichen in Verlagen und anderen Qualitätsinhalte-Anbietern zum Download angeboten werden.

Nach Informationen der Rhein-Zeitung will Google gegen das Urteil klagen. Nach Argumentation des US-Konzern verstoße das europäische Urteil nun gegen das Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit, die gelte nun auch für Tiere. Viele der Katzen hätten schließlich offensichtlichen Spass, sich vor der Kamera zu bewegen und mit den Nutzern im Web zu interagieren, so ein Sprecher. Die hastige Forderung nach dem Löschen der Inhalte und Sperren der Accounts sei erneut ein falsches Signal aus Brüssel.
Update: Wir haben uns sehr über die vielen Tweets und Kommentare zu unserem Aprilscherz gefreut und bedanken uns bei Marcus Schwarze und Christian Lindner von der Rheinzeitung, sowie Stefan Keuchel und Kai Oberbeck von Google fürs Mitspielen.
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Das Ende des Katzencontent. YouTube und Facebook müssen Tier-Inhalte sperren
EuGh reagiert auf die Beschwerde von Tierschützern, zum Leid vieler Interentnutzer (Rhein-Zeitung)

Pressestelle des Europäischen Gerichtshofs
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