Paid Content - Rettung oder letzter Sargnagel einer sterbenden Print-Branche?

eingetragen vor 9 Monaten von Christoph Elzer

Benedikt Köhler, Michael Praetorius und Anatol Locker disktutieren, ob sich im Internet durch das Verkaufen von Inhalten tatsächlich eine neue Erlösquelle erschließen lässt, oder es sich dabei nicht doch nur um das Wunschdenken der in Zeiten der Anzeigenkrise stark gebeutelten Verlage handelt.

Oder sind es vielleicht gar nicht die Inhalte, mit denen sich Geld verdienen lässt, sondern die Art der Nutzung? Bild.de ist als Nachrichtenportal kostenlos verfügbar - aber die iPhone App kostet bares Geld. Ist der User tatsächlich bereit, für eine andere Art der Nutzung Geld zu bezahlen, oder werden die Verlagshäuser da ebenso schnell wieder zurückrudern, wie sie es einst nach der Einführung kostenpflichtiger Archiv-Zugriffe taten?

iTunes beweist, dass die generelle Bereitschaft zum Berzahlen für Inhalte vorhanden ist, doch lässt sich daraus zwangsläufig auch ableiten, dass etwas, das für MP3s gilt, auch auf Nachrichten zutrifft? In dieser Folge der Isarrunde trifft die Skepsis gegenüber Paid Content auf das Erfolgsmodell "Musik im Internet verkaufen".

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Kommentare zu “Paid Content - Rettung oder letzter Sargnagel einer sterbenden Print-Branche?”

  • von Harald Link

    Ich fürchte, hier alle Verlage über einen Kamm zu scheren, wird der Thematik nicht gerecht. Zum einen ist "Paid Content" nicht gleich "Paid Content", zum anderen funktioniert dieses Geschäftsmodell zum Beispiel bei Fachpublikationen anders als im News-Bereich. Was bedeutet: Es kann dort gut funktionieren und es gibt ja auch Verlage, die dies seit Jahren durchaus erfolgreich praktizieren.

    Ich gebe Euch recht: Im News-Sektor werden sich die Zeitungen und Zeitschriften vielleicht noch über die kommenden fünf Jahre retten können - mit Etatkürzungen und Entlassungen. Dann gehen aber die Lichter aus, weil danach weder Substanz noch Kompetenz voranden sein werden, um noch irgend etwas bewirken zu können.

    Das (bereits vielfach zitierte) Memo cer NYT bringt es auf den Punkt: "… we are a news company, not a newspaper company. We are committed to offering our consumers our content wherever and whenever they want it and even in ways they may not have envisioned – in print or online – wired or mobile – in text, graphics, audio, video or even live events."

    So geht's - anders eher nicht.

  • von Magaziniker

    Ein historischer Unfall namens Zeitung: Der amerikanische Internet-Denker Clay Shirky analysiert in 16.747 lesenswerten Zeichen die Klemme der gedruckten Medien

    http://magaziniker.posterous.com/ein-historischer-unfall-namens-zeitung

  • von Carsten Jung

    Ich würde weniger von "dem Nutzerverhalten" reden als von derzeitigen Angebot, daß Paid Content noch nicht funktionieren läßt. Die Meinung, iTunes sei eine Ausnahme ist irrig. Apple hat mit iTunes nur einmal konsequent aufgezeigt, daß man durchaus ein kommerzielles Angebot machen kann, über den Verkauf funktioniert. Das haben sich Verlagshäuser bislang so gut wie nicht. Im gegenteil, sie haben lange genug auf Realtitäsverweigerung gemacht.

    Es ist letztendlich die Frage der Masse, die paid content zum Erfolg oder Mißerfolg führen wird. Wenn Herr Murdock als der größte der Branche jetzt mit paid content anfängt, möchte ich bei eventuellem Erfolg nicht wissen, wieviele ihm folgen werden, bis der Großteil der journalistischen Angebote Bezahlangebote sind. In dem Moment wird paid content zur Normalität. Solange ich die Meldung irgendwo noch frei erhalte, werde ich nichts zahlen, so ist die Situation derzeit.

    Selbstverstädnlich muß dann aber auch mehr kommen als nur die 200. dpa Meldung online. Der Inhalt muß schon einzigartig sein, um ihn auf einem Kanal verkaufen zu können, sonst könnte ich ja direkt bei dpa den Ticker buchen. In der Einzigartigkeit des Inhalts wird sich das jeweilige Geschäftsmodell beweisen müssen. Daß man jetzt die Netzcommunity hervorzaubert und meint, denen könne man nichts außer kostnefrei anbieten, schließt ja jeglichen Glauben an eine Entwicklung aus und ist damit eher unwahrscheinlich. Sicher ist nur, daß es den Verlagshäusern langsam an die Existenz geht und nur eins sicher ist: die müssen sich bewegen, egal wie.

  • von Teena

    Zu den Zeitungen:

    Früher hatte man 1 Zeitung am Tag und abends bei ARD+ZDF dazu eine Wochenzeitschrift.
    Wollte ich also meine Schraubenzieher bewerben, dann war der Platz begrenzt das zu tun.
    Ich musste also breit gestreut für teures Geld werben.
    Heute werbe ich ZIELGENAU in der Handwerkercommunity direkt, ich brauch die Zeitungen und TV nicht mehr.
    Einer der Hauptpunkte den die Verlage wohl noch nicht erkannt haben.

    Paid Content (früher) - wenn ich so bedenke:
    TV: wer hat Premiere / Sky ?
    Nachrichten: Kommen kostenlos per ÖR-Radio oder Zeitung. Beim einem zahl ich GEZ+Hardware, beim anderen das Papier aber die Nachrichten darauf?
    Was macht denn das aus?
    Bei einer Bild für (was kostet die, 60 Cent?) ... wieviel sind da für den Datenträger, wieviel für die News?
    Sag ma mal 30 Cent für die News.
    Auf Seite 1 sind ja wohl schon 30 Meldungen.... Gewinn pro News in der Zeitung ist also extrem wenig..

    Fazit:
    Paid-Content gabs nie (wenn man von Werbung absieht), die Menschen zahlten immer nur für den Datenträger.

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